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Campergespräche: Marie

Campergespräche: Marie

Mitten im Niemandsland unterwegs zu sein, ohne fließendes Wasser, Toilette oder Elektrizität, nur „bewaffnet“ mit Rucksack und Zelt – das ist Camping pur! Marie (23) hat in der Mongolei ihr ganz persönliches Wildnis-Abenteuer erlebt und dabei so einiges über das Leben in und mit der Natur gelernt.

Eineinhalb Monate verbrachte die Tiermedizinstudentin gemeinsam mit drei Kommilitonen im mongolischen Outback, um im Rahmen einer Studie die Schafherden der einheimischen Bevölkerung auf Parasiten zu untersuchen, befallene Tiere zu behandeln und anschließend auf eventuelle Resistenzen gegen die verabreichten Medikamente zu überprüfen. Gar keine leichte Aufgabe, so ganz ohne die Annehmlichkeiten der „Zivilisation“!

CamperStyle: Wie war für dich die Umstellung auf ein Leben “Back to the Roots”?

Marie: Es war schon eine krasse, aber auch sehr coole Erfahrung. Wir in Mitteleuropa sind ja sehr verwöhnt – zum Beispiel müssen wir unser Wasser nicht abkochen, bevor wir es trinken. Außerdem steht zu fast jeder Zeit Strom zur Verfügung. Diesen Luxus hatten wir in der Mongolei natürlich nicht. Unser Trinkwasser war stark verschmutzt, teilweise ganz gelb, und musste erst einmal erhitzt werden. Außerdem hatte unser toller Campingkocher nach kurzer Zeit ausgedient, da wir nirgendwo mehr gereinigtes Benzin auftreiben konnten. So mussten wir unser Essen dann eben über dem Lagerfeuer zubereiten. Und auch der Toilettengang war zunächst etwas… gewöhnungsbedürftig: einfach raus in die Pampa und dann hieß es graben… (lacht)

CamperStyle: Oh… 

Marie: Naja, manchmal gab es auch Plumpsklos – das sind dann Bretterverschläge mit einem Loch im Boden. Und wenn du drin bist, schaut oben immer dein Kopf raus, weil die Wände nicht hoch genug sind! Zum Baden sind wir immer in den nahegelegenen Fluss gegangen und haben schön brav unsere mitgebrachte biologisch abbaubare Seife verwendet, um das ökologische Gleichgewicht nicht zu zerstören. Bis uns nach vier Wochen der einzige englischsprachige Bewohner des Dorfes lachend mitgeteilt hat, dass wir das besser lassen sollten – denn der Fluss war total verschmutzt von den Exkrementen der Kühe, die in der Nähe weideten. Kein Wunder, dass die Mongolen selbst lieber das Wasser aus ihren Regentonnen verwendet haben!

CamperStyle: Zumindest eure Abwehrkräfte scheinen ja gut zu funktionieren 🙂 Aber nicht nur im Alltagsleben, sondern auch bei eurer Arbeit musstet ihr viel improvisieren – hat das gut geklappt?

Marie: Das mit der Arbeit war in der Tat etwas schwieriger. Wir mussten von rund 120 Schafen Kotproben nehmen, katalogisieren und mikroskopisch untersuchen. Zwar waren wir weitestgehend mit stromunabhängigem Equipment und einer Kühlbox ausgestattet, aber zu verlässlichen „Laborergebnisse“ sind wir unter diesen Bedingungen leider nicht immer gekommen. Naja, das war eben auch Teil des Abenteuers…

CamperStyle: Ihr seid während der sechs Wochen nicht nur an einem Ort geblieben, sondern hattet zwischen euren Studien auch die Möglichkeit, herumzureisen. Wie hast du die Mongolei und ihre Menschen erlebt?

Marie: Ich war wirklich begeistert. Die Mongolei ist landschaftlich wunderschön. Wir waren hauptsächlich in der Nähe der russischen Grenze unterwegs und haben auch einen Abstecher in die Wüste Gobi gemacht – beides war wirklich cool. Was ich persönlich auch sehr genossen habe, war die endlose Einsamkeit. Man kann den ganzen Tag unterwegs sein, ohne einer Menschenseele zu begegnen. Von den knapp 3 Millionen Einwohnern des Landes lebt ja schon die Hälfte in der Hauptstadt, dafür gibt es rund 50 Millionen Nutztiere. Wenn man mal auf Menschen trifft, sind sie wahnsinnig gastfreundlich. Wir wurden häufig in die Jurten eingeladen und mit Tee, Ziegenmilch, Keksen oder getrocknetem Käse versorgt. Unsere Gastfamilie, bei der wir einige Tage wohnen durften, hat zu unseren Ehren sogar ein Schaf geschlachtet. Leider konnten wir uns nicht wirklich mit den Menschen verständigen, da kaum jemand Englisch sprach. Aber es war trotzdem eine sehr schöne Atmosphäre.

CamperStyle: Würdest du wieder dorthin reisen – und campen?

Marie: Campen definitiv! Man kann dort zwar auch überall Gäste-Jurten für kleines Geld mieten, doch liebe ich mein Zelt zu sehr und man darf es ja auch überall aufstellen! In ein paar Jahren könnte ich mir vorstellen, nochmal in die Mongolei zu reisen – das Land ist riesig und ich habe leider in der kurzen Zeit doch nur einen Bruchteil davon gesehen. Allerdings muss ich bis dahin noch ein wenig Geld ansparen, um einen eigenen Fahrer anzuheuern – denn viele Orte kann man aufgrund von fehlender Straßenbefestigung und nicht vorhandener Straßennamen kaum auf eigene Faust besuchen. Auf der Liste stehen aufjedenfall noch die Gletscher inmitten der Wüste. Zum Abschluss noch eine mongolische Weisheit: “Wer eilt, der friert.” (Lacht) 

CamperStyle: Na, dann solltest du das gaaaaanz langsam angehen lassen! 🙂 Vielen Dank, dass du uns in diese unbekannte Welt mitgenommen hast. Wir wünschen dir noch viele weitere tolle und erlebnisreiche Reisen!

Wer sich etwas genauer über Maries Abenteuer Mongolei informieren möchte, kann bei Mongolei-Blog.net vorbeischauen – dort haben die Studenten die wichtigsten Stationen und Erlebnisse ihrer Forschungsreise dokumentiert.

Fotos: (c) Privat

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