FIM Wildcamping

Ganz nah an der Natur: Was ist erlaubt beim Wildcamping?

Welcher Camper träumt nicht davon, mitten in der Natur sein Lager aufzuschlagen, morgens vom Meeresrauschen oder einem tosenden Wasserfall geweckt zu werden und weit entfernt von Verkehrslärm und Nachbarn einfach nur die Landschaft zu genießen. Back to the roots! Doch was so romantisch klingt, kann in manchen Ländern unangenehme Folgen haben – denn nicht überall ist Wildcampen erlaubt oder geduldet.

Wir haben mit unserer “Kollegin” Meike Federmann gesprochen. Sie schreibt für den Blog erento news, ist selbst begeisterte Wildcamperin und erklärt, was man bei dieser Form des Reisens beachten muss.

Meike-Federmann

CamperStyle: Was fasziniert dich am Wildcampen?

Meike: Ich wurde nach dem Abi mit dem „Virus“ infiziert, als ich in Portugal einen Monat lang dieses Lebensgefühl und diese unendliche Freiheit erlebt habe. Gemeinsam mit einer Freundin bin ich an der Algarve die Küste entlang getrampt, habe an Stränden und auf Steilküsten geschlafen. Wir hatten zwar ein Zelt dabei, aber meistens haben wir einfach unter dem Sternenhimmel geschlafen, im Einklang mit der Natur gelebt und mit Einheimischen gegessen. Diese völlige Abgeschiedenheit von der Welt da draußen war einfach fantastisch!

CamperStyle: Leider ist das heute nicht mehr überall möglich…

Meike: Nein, in den meisten europäischen Ländern ist Wildcamping mittlerweile stark reglementiert oder ganz verboten. Das liegt wohl daran, dass viele Camper nicht respektvoll mit der Natur und ihren Übernachtungsplätzen umgegangen sind. Zu häufig wurden illegale Lagerfeuer entfacht, Abfall einfach liegen gelassen oder Chemiereste in der Natur „entsorgt“. Deshalb schauen Polizei und andere Behörden mittlerweile genauer hin. 

CamperStyle: Wo darf man denn noch wild campen und was muss man dabei beachten?

Meike: Prinzipiell kann man sagen, dass Wildcampen mit dem Zelt problemloser möglich ist als mit einem Campingbus, einem Wohnmobil oder gar einem Wohnwagen. Aber auch hier gibt es strenge Bestimmungen.

In Behördenland Deutschland ist zum Beispiel ist das Zelten in Nationalparks, Naturschutzgebieten, geschützten Biotopen, Wild- und Wasserschutzgebieten und im Wald grundsätzlich verboten. Auf freien Flächen ist es in einigen Bundesländern gestattet oder zumindest toleriert, allerdings ist die Gesetzeslage so verworren, dass man kaum durchblickt. Wer auf der sicheren Seite sein will, sollte ein privates Grundstück suchen und den Eigentümer um Erlaubnis fragen. Für Wohnmobile oder Campingbusse gibt es viele öffentliche Stellplätze, Wohnwagen dürfen ausschließlich auf Campingplätzen stehen.

Zelt-Wildcamping

CamperStyle: Sind die Südländer da entspannter?

Meike: Nicht wirklich! In Italien, Frankreich und Spanien wird das Wildcampen mit Geldstrafen von bis zu 500 Euro geahndet. Hier kontrollieren die Behörden sehr streng – vor allem in den Touristenregionen und an den Küsten. Da kann es schon mal passieren, dass einem die Küstenwache auf den Pelz rückt. Die einzige wirklich legale Option ist es, auf Privatgrundstücken zu übernachten.

Portugal handhabt das Ganze etwas lockerer. Zwar ist auch hier das Wildcampen offiziell nicht gestattet, wenn man jedoch nicht allzu auffällig zu Werke geht, sollte man keine größeren Probleme bekommen.

CamperStyle: Was heißt „nicht auffällig“?

Meike: Am besten schläft man im Zelt an abgelegenen, einsamen Stränden und bleibt nicht zu lange an einem Ort. Mit Campingbus oder Wohnmobil kann man teilweise auf Strandparkplätzen übernachten, allerdings sollte man hier nicht unbedingt das ganze Mobiliar vor dem Camper aufbauen. Markise, Vorzelt oder die neue Sitzgruppe sollten also besser schön verpackt im Stauraum bleiben… 

CamperStyle: Und wie sehen das die nord- und osteuropäischen Nachbarn?

Meike: In Dänemark wird das Ganze fast ebenso streng gehandhabt wie in Deutschland. Auch hier ist Wildcampen verboten und es wird besonders in der Hochsaison auch rigoros kontrolliert. Wer trotzdem die Natur genießen möchte, kann auf einen der günstigen Naturlagerplätze ausweichen oder ebenfalls bei einem Privateigentümer um Erlaubnis bitten.

Schweden, Finnland und Norwegen hingegen sind ein Paradies für Wildcamper. Hier gilt das so genannte „Jedermannsrecht“, das ein Zelten auf öffentlichem Grund auch in freier Natur ermöglicht – allerdings nicht in SIchtweite zu Wohnhäusern. Auf Privatgrundstücken muss natürlich die Erlaubnis des Eigentümers eingeholt werden und auch in Naturschutzgebieten oder Nationalparks gibt es gewisse Einschränkungen. Verbote werden dort aber durch eine entsprechende Beschilderung gekennzeichnet.

Die baltischen Länder Lettland, Estland und Litauen handhaben es ähnlich: Wildcampen ist hier prinzipiell gestattet, in Naturschutzgebieten oder Nationalparks gibt es allerdings Einschränkungen. In Polen wird das wilde Zelten zwar nicht offiziell erlaubt, wird aber in den meisten Fällen geduldet.

In den anderen osteuropäischen Ländern muss man dagegen auf der Hut sein – dort ist es häufig nicht einmal möglich, auf Parkplätzen oder Raststätten im Camper zu übernachten!

lagerfeuer-wildcamping

CamperStyle: Gibt es denn auch Länder, in denen das Wildcampen ausdrücklich erlaubt ist?

Meike: Ja, in Schottland zum Beispiel. Dort darf man praktisch überall sein Lager aufschlagen. Einzige Einschränkung: Auf Privatgrund und in speziell ausgeschilderten Bereichen. 

CamperStyle: Welche Verhaltenstipps möchtest du Wildcampern mit auf den Weg geben?

Meike: Nicht nur für Wildcamper, sondern für alle Reisenden sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, den eigenen Müll wieder mitzunehmen, wilde Tiere nicht zu stören, Pflanzen nicht zu beschädigen, Abstand von Wohnhäusern zu halten und kein offenes Feuer zu machen. Wer die Natur und fremdes Eigentum achtsam behandelt, wird auch von den Einheimischen in der Regel akzeptiert. 

Wir danken Meike für das informative Gespräch und wünschen euch viel Spaß beim Naturerlebnis Wildcampen!

vw-bulli

Weitere Infos findet ihr hier: erento news | erento.com

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